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Regulatoren / Wanduhren

Wanduhren findet man heute nur noch selten, die Entwicklung dieser Uhren hat jedoch viel Innovation und Fortschritt gebracht. Die technische Entwicklung der Präzisionsuhren ging von England aus, wo nach der dekorativen Phase der reich intarsierten und kostbar gestalteten Uhrenkästen schon vor der Mitte des 18. jh. die Reaktion mit streng sachlichen Gehäuseformen und Zifferblättern einsetzte. Aus der Bodenstanduhr wurde der »Regulator« mit verglaster Frontseite, die Einblick in das technische Wunderwerk gewährte. Um frei von Erschütterungen zu sein, wurde er an eine tragende Wand gehängt.

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Regulatoren findet man heute noch hin und wieder in modernen Ausführungen. Es gibt englische Wandregulatoren aus den Jahren 1760 bis 1780, z. B. von Vulliamy im Science Museum London. Die österreichischen Uhrmacher und Gehäusehersteller griffen die Idee auf und schufen hervorragende Arbeiten, teilweise mit drei Gewichten für Gehwerk, Voll- und Viertelstundenschlag (Grande Sonnerie), mit kalendarischen und astronomischen Angaben und Ewigem Kalender.

Die Wiener Tradition der Wanduhren

Die Wiener nannten diese Regulatoren, die Kleine Carteluhr Louis XV ca. 1750in verschiedenen Größen hergestellt wurden, »Laterndl-Uhren«. Das Wiener Uhrenmuseum und die Sammlung Sobek, heute im Geymüller Schloss untergebracht, enthalten hervorragende Beispiele aller damals hergestellten Arten überwiegend wurde Gramms ruhender Ankergang verwendet.

1841 befand sich der 1819 in Schlesien geborene Uhrmachergeselle Gustav Becker auf seinen Wanderjahren in Wien und wurde Gehilfe Philipp Happachers. 1850 gründete er in Freiburg in Schlesien eine Fabrik für Pendeluhren nach Wiener Muster. 1873 zeigte er auf der Wiener Weltausstellung bereits den fünfundsiebzigtausendsten Regulator. Viele andere Firmen in Schlesien und im Schwarzwald folgten seinem Beispiel, darunter Junghans, Mauthe und Kienzle. Noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges war der Regulator neben der großen Bodenstanduhr der am häufigsten gekaufte Uhrentyp.

An der Entwicklung von Präzisionsregulatoren arbeitete man an den Uhrmacherschulen in Glashütte bei Dresden und in Furtwangen. Ludwig Strasser, der spätere Direktor der Schule in Furtwangen, schuf eine nach ihm benannte Hemmung für Präzisionspendeluhren und ein neues Kompensationspendel, die dann von der 1875 gegründeten Firma Strasser und Rode serienmäßig hergestellt wurden. In München erfand Sigmund Riefler 1889 eine neue freie Hemmung, die die Anfachung der Pendelschwingung nur durch die Biegung der Aufhängung bewirkte.

Seit 1898 verwandte Riefler Nickel-stahlkompensationspendel nach Guillaume. Die Gangabweichungen der Riefler-Uhren, die unter luftdichtem Verschluß in Stahlbehältern mit Glasabdeckung untergebracht waren, beliefen sich auf 0,008 Sekunden täglich und weniger. Es waren bis zur Erfindung der freien Hemmung von Shortt, 1922, die genauesten Uhren der Welt. In der Schweiz wurden im 19. jh. zwar Präzisionsregulatoren gebaut, von bekannten Meistem ebenso wie an den Uhrmacherschulen von Le Locle und La Chauxde-Fonds, aber dieser Uhrentyp wurde in der Schweiz nie richtig heimisch.

Von lokaler Bedeutung war lediglich die „Longue – Ligne“ mit ovalem Kopf und ovalem unteren Teil, einer großen, senkrecht gestellten Brille ähnlich, bei der sich hinter dem oberen Glas das Zifferblatt, hinter dem unteren die Pendelscheibe befand. Große Bedeutung dagegen erlangte der Regulator in den USA.

Amerikanische Wanduhren im Check

Die Anfänge der Uhrenherstellung in den Vereinigten Staaten gehen in das 18. jh. zurück. Ausgewanderte Uhrmacher aus England und Deutschland stellten bis etwa 1780 Standuhren mit hölzernen Werken in kleinen Stückzahlen her. Die ersten Wanduhren waren Standuhrwerke, die in kleinen Holzgehäusen aufgehängt wurden. Das älteste erhaltene Exemplar stammt aus dem Jahre 1767.

Vor Ende des 18. Jh. setzte die Massen Produktion ein. Die Uhrmacherfamilie Willard lieferte besonders gute und formschöne Modelle. Simon Willard kam 1783 mit einer ersten Wanduhrentype, »Shelf-clock« genannt, heraus, die als Tischuhr weitaus beliebter wurde. Die Entwicklung führte dann über eine wenig schöne »Coffinclock« zu dem erfolgreichen Modell der »Banjoclock«, die sich Willard 1802 patentieren ließ.

Die besten Exemplare stammen von Aaron Willard, der in Boston, Massachusetts, tätig war. Seine Uhren tragen als Bekrönung einen Adler. Die Banjoclock hielt sich bis in die Mitte des 19. jh. Verwandte Uhren sind die »Lyreclock«, die wahrscheinlich von einem Bostoner Uhrmacher entwickelt wurde, und die »Girandole«. Von dieser besonders schönen Uhr, die von Lemuel Curtis in Concord stammt, sind nur etwa 25 Stück hergestellt worden.

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Um 1830 waren überall in den Oststaaten Uhrmacher tätig. Außer den erwähnten Formen wurden zahlreiche Wandregulatoren hergestellt. Viele von ihnen ähneln der englischen »Act of Parliament Clock«. Die Uhrenfabriken nahmen um 1840 den Export nach Europa auf. Während für Stutzuhren wegen der Schwierigkeit, eine ausreichende Fallhöhe zu schaffen, nur in Ausnahmefällen ein Gewichtsantrieb vorgesehen werden konnte, war für Wanduhren der Antrieb mit Gewichten durchaus selbstverständlich. Trotzdem hat man immer wieder nach Wegen gesucht, den Federantrieb auch für die Wanduhr nutzbar zu machen.